Wer einen Mental Coach oder Sportpsychologen braucht, ist weich in der Rübe, oder?

Nach einem Interview mit Faris Al Sultan (kurz vor dem IRONMAN Hawaii 2017) wurde mentales Coaching aktuell auf Facebook (Forum Triathleten in Deutschland) diskutiert; es gibt bereits einen Sportpsychologen, der sich diesem Thema ausführlich gewidmet hat (Link).

In der Regel halte ich mich mit Kommentaren zurück, lasse lieber meine Arbeit für mich sprechen. Doch im Sinne meiner Athleten möchte ich mich hier doch kurz einklinken.

Faris Al Sultan gilt mein größter Respekt für seine herausragende Leistung als Athlet wie jetzt auch als Trainer des aktuellen Gewinners des IRONMAN Hawaii 2017.  Dankbar bin ich ihm dafür, dass er Dinge einfach ausspricht, frei Schnauze. Und, das wird viele jetzt erstaunen, ich stimme Faris Al Sultan grundsätzlich zu. So sagt er im Interview: „Ein wichtiger Faktor ist dabei auch die „Rübe“ von den Leuten – das ist das A und O, da spielt sich viel ab. Es ist elementar, dass die Leute mentale Zuversicht haben, um gut zu trainieren, sich geistig wohl zu fühlen und auch, um gute Wettkämpfe zu bestreiten.“

Da hat er Recht. Ich erinnere mich an einen 13-jährigen Leistungsschwimmer, den ich betreut habe und der ganz verstört aus dem Trainingslager kam. Er hasste die Zeitmessungen und den täglichen Druck, zweimal schwimmen gehen zu müssen. Er hatte im Camp jeden Tag geweint. Auch seine schulischen Leistungen ließen immer mehr zu wünschen übrig. Also wendete sich seine Mutter an mich. Denn der Junge galt als großes Schwimm-Talent, da musste man doch was mental machen können. Doch es brauchte nicht viele Coaching-Einheiten, um zu erkennen: er möchte gar nicht Leistungsschwimmer sein. Er genoss es vielmehr, in einer architektonisch ansprechenden Schwimmhalle zu schwimmen und dabei seinen Körper zu spüren. Zeiten und der Wunsch, der Schnellste zu sein, waren im völlig fremd. Der Leistungsdruck machte ihn unglücklich. Es galt daher, die Eltern davon zu überzeugen, dass es besser ist, den Jungen nicht länger zu quälen. Und tatsächlich, seitdem er nur noch nach Lust und Laune schwimmt, geht es ihm besser. Die Schulnoten passen wieder, die Mädels laufen ihm in Scharen hinterher, weil er echt ein attraktiver Kerl ist und er genießt das Leben. Immerhin hat er jetzt mehr Zeit dafür.

Foto von Chuttersnap auf Unsplash

Es braucht also von Natur aus durchaus die „Rübe“, den unbedingten Willen, vorne mitzuspielen, da hat Faris Al Sultan völlig Recht. So verstehe ich Mental Coaching auch nicht.

Es geht bei meinem Performance Coaching um die ohnehin starke Rübe. Denn gerade sehr leistungsorientierte Athleten muten sich selbst oft sehr viel zu. Sie sind ihre größten eigenen Kritiker und haben zwar den Hebel im Wettkampf, aber es fehlt manchmal dennoch die Gelassenheit mit den Anforderungen aus dem Umfeld (Sponsoren, Partnerschaft, Presse, Vergleiche mit anderen, Misserfolgen etc.) oder situationsbedingt (Verletzung, Krankheit, Unfall etc.) umzugehen. Bei Amateuren kommt das Thema Zeitmangel und Job noch hinzu. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Eliteathleten wissen, wie sie ein Ziel fokussieren, sich motivieren oder Visualisieren. Dabei braucht mich kaum einer. Das große Thema ist vielmehr, sich und die eigene Leistung differenziert wahrzunehmen. Und mit Verlaub, Differenzierung fällt uns Menschen nicht immer leicht, da werden gerne Glaubenssätze bemüht. Ein Blick in die Foren verrät mir, dass auch vielen Amateur-Athleten etwas Differenzierung und Balance gut täte. Denn auch Sportler haben Hirn. Und jedes Hirn führt klassischerweise zu Denkfehlern, Assoziationen und Glaubenssätzen, die nicht immer das Erwünschte bewirken.

Aufschrift auf meinem Triathlon-Rad; Mr. T2 von SIMPLON

Wie Faris Al Sultan selbst im Interview sagte: „In meine Betreuung ist (…) kein Sportpsychologe involviert – ich habe aber bereits festgestellt, dass ich als Coach oft automatisch auch für die mentale Aufbauarbeit zuständig bin.“ Es gibt also durchaus mentale Arbeit in seinem Team, die er eben selbst leistet. Das ist in Ordnung. Viele Wege führen nach Rom. Ich habe allerdings oft bei Athleten festgestellt, dass sie froh sind, wenn es zusätzlich zum Trainer einen neutralen Außenstehenden gibt, der hilft, die eigenen Themen zu sortieren und einzuordnen. So wie manche Trainer sehr exakt analytisch mit einem Online-Tool arbeiten (wie z.B. bei Jan Frodeno) und andere zur Trainingsabfrage einfach Whatsapp nutzen (wie bei Patrick Lange), gibt es eben auch für die mentale Arbeit unterschiedliche Wege.

Mentales Coaching (bei mir läuft das unter Performance Coaching) kann manches beschleunigen, wofür Athleten alleine länger bräuchten.

Performance Coaching gebe ich auch für Manager und weich in der Rübe sind da die wenigsten. Wenn ich merke, dass das Coaching im Moment keinen Sinn macht, lehne ich es übrigens ab. Es geht in meinen Coachings darum, leistungsorientierte Menschen zu unterstützen, ihr Leben auszubalancieren, das führt zu weniger Stress und zu mehr Freude an dem was sie tun. Es wirkt sich gesundheitlich und auf das innere Gleichgewicht und damit wiederum positiv auf die Leistung aus.

Glücklich nach einem harten Tempolauf im Regen

Mentale Stärke ist übrigens geschlechtsunabhängig. Da können wir von Frauen und Männern gleichermaßen lernen. As diesem Grund möchte ich auf das beeindruckende Interview (siehe Video im Link) mit Daniela Ryf hinweisen, die neben Patrick Lange einmal mehr gezeigt hat, was sie in der Rübe hat. Sie beweißt, dass es im Sport oft auf die richtige Entscheidung ankommt. Wie im richtigen Leben.

https://tri-mag.de/szene/40-kilometer-vollgas-und-dann-nicht-mehr-nachdenken-143405

Wer Lust hat, mehr zu erfahren, wie so ein Performance Coaching in Beispielen aussieht und für sich selbst kleine Quick wins und Anregungen für den Sport- und Berufsalltag mitnehmen will, der ist herzlich eingeladen zu meinem nächsten Vortrag

Am 24.11.2017 um 18 Uhr im

Skinfit Shop München

Implerstraße 7, 81371 München

Bitte um Anmeldungen (skinfit.muenchen@skinfit.eu) direkt an Skinfit, damit wir planen können. Wir freuen uns auf euch! Es gibt einen kleinen Unkostenbeitrag, das Geld bekommt ihr in Form eines gleichwertigen Einkaufsgutscheins, vielen Tipps und Catering zurück. Aufgrund des Caterings ist Skinfit München dankbar, wenn ihr per Email frühzeitig informiert, ob ihr zum Vortrag kommt.

 

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