Über Glück und Leistungsschweine

Wie cool ist das denn? So hammermässig schön fühlt sich das an, wenn wir unser Ziel erreicht haben. Dann werden endogene, das heißt körpereigene, Opioide freigesetzt. Wir schütten Endorphine aus und andere Botenstoffe wie das „Bindungshormon“ Oxytocin. Das führt zu Glücksgefühlen! Diese haben positive Effekte auf das Ich-Gefühl, die Laune und die Lebensfreude. Sie vermindern Schmerzempfindlichkeit und stärken sogar unser Immunsystem. Die beständigsten Glücksgefühle entstehen wohl immer dann, wenn wir im Flow sind, also Tätigkeiten nachgehen, in denen wir völlig aufgehen.

Doch die Opioide halten nicht lange vor, sodass unsere Freude wieder nachlässt und wir neue Anreize suchen. Als (Amateur-) Sportler kennen wir dieses Gefühl nur zu gut nach einem erfolgreichen Wettkampf. Erst sind wir in Hochstimmung. Dann schleicht sich langsam immer mehr die Normalität zurück in unser Leben und mit ihr die natürliche Frage: was kommt als nächstes?

Wenn allerdings die Zeit zwischen sportlichen Höhepunkten nicht mehr genossen werden kann, weil man den Sport braucht, um innere Unruhezustände zu verdrängen oder um sein Selbstbewusstsein aufrecht zu halten, dann wird es kritisch. Dabei verhält es sich bei uns wie bei einem Geldschein: ganz egal wie verknittert der Schein ist, der Wert bleibt der gleiche. Erfolge oder Misserfolge im Leben verändern unseren Wert als Mensch nicht!

Wer es noch zulassen kann, nach einem (sportlichen) Erfolg in die Normalität zurückzukehren, sich auch wieder mit anderen Themen zu beschäftigen und bei Verletzungen auch mal die Beine still zu halten, der hat sein Leistungsschwein im Griff. (vgl. Prof. Dr. Oliver Stoll, „Kann Sport süchtig machen?“). Es ist also gut, wenn wir mehr Lebenssäulen haben und Flow-Erlebnisse auch außerhalb des Wettkampfsports finden, zum Beispiel bei einem weiteren Hobby, Freunden und in der Arbeit.

Und dennoch: Glück bleibt immer vergänglich! Langfristige Zufriedenheit, die von innen kommt, ist verlässlicher.

 

Foto von Unsplash, by Mark Bosky

Links und Literatur:

Diesen Artikel von mir findest Du auch im Blog des Lanista Magazin, das sich mit zahlreichen trainingsverwandten Themen beschäftigt. Es vermittelt allen Interessierten weitere, zum Training gehörende Aspekte.

Bauer, J.: Prinzip Menschlichkeit, Heyne Verlag, 2008

https://www.dasgehirn.info/denken/motivation/erfolg-2013-ein-starker-motivator/print

https://www.dasgehirn.info/aktuell/frage-an-das-gehirn/kann-sport-suechtig-machen/

https://www.dasgehirn.info/aktuell/frage-an-das-gehirn/was-passiert-im-gehirn-wenn-wir-gluecklich-sind/

3 Antworten auf „Über Glück und Leistungsschweine“

  1. Hallo Daniela,

    sehr informativer Artikel und sehr schön geschrieben!

    Eine Anmerkung hätte ich noch:
    wenn nach einem erfolgreichen Wettkampf wieder die Normalität einkehrt, wünscht man sich ja in der Regel sehnlichst Lob und Anerkennung von der Außenwelt. Wie schön wäre es, wenn z.B. nach einem erfolgreichen Ironman die Glückwünsche (z.B. durch Facebook Likes, Mails, Anrufe, etc.) ins Haus sprudeln.

    Nur: was macht man, wenn entweder die Anerkennung ausbleibt oder nur sehr spärlich eintrudelt? Wie geht man damit um? Wohl dem, der innerlich so gefestigt ist, dass ihm das am A* vorbeigeht!

    Gründe für ausbleibende Rückmeldung können ja Neid oder auch fehlendes Interesse sein. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass die Anzahl der Rückmeldungen umgekehrt proportional zur erbrachten Leistung sind.

    Dein Artikel ist auch dahingehend informativ, dass man sein Leben auf mehreren Pfeilern aufbaut und sich nicht nur ausschließlich auf die Wettkämpfe konzentriert. Auch finde ich ein gutes soziales Umfeld (z.B. durch einen Sport-Verein, aber auch durch Freunde und Bekannte) sehr wichtig, damit das Leben nicht nur auf „ich muss unbedingt brillieren, um überhaupt wahrgenommen zu werden“ aufgebaut ist!

  2. Lieber Ulrich, ich freue mich über Deinen Kommentar. Er zeigt mir, welche Themen ich noch aufgreifen kann. Vielen Dank für die Hinweise und Inspiration. Es folgen also dazu bald Blogeinträge. Dranbleiben. 🙂
    Liebe Grüße, Daniela

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