Material ist wichtig, aber der Kopf siegt.

IMG-20160514-WA0004_neuVroni Weiss ist vielen von meinen Blog-Lesern längst ein Begriff, sie ist eine meiner Klientinnen, die sich öffentlich dazu bekennt, dass ich sie mental coache. Im Wesentlichen sind das viele Themen rund um Leistungsdruck, Motivation, Gesundheit, Stress, manchmal auch Erfolg im Team und natürlich geht es auch um den Umgang mit selbstkritischen Gedanken.

Dass sich das Coaching für sie lohnt, beschreibt sie hier ausführlich in ihrem Statusbericht zur aktuellen Saison – und dafür bedanke ich mich sehr. Vroni ist eine richtig gute Mountainbikerin, sie hat Sponsoren für ihr Material (Bike, Klamotten etc.), doch wenn’s drauf ankommt, zählt eben der Kopf. Und jetzt gehört das Wort Vroni:

Meine MTB Saison 2016 begann sehr früh und mit einem echtem Highlight: Dem Andalucia Bike Race im Februar 2016.
Ich war sehr aufgeregt, da dieses 6 tägige Rennen im 2er Team, nur mit einem Betreuerstab, jede Menge Ersatzmsportografaterial und Anreise mit Flugzeug bestritten werden kann. Ein entsprechend privat zu tragender organisatorischer und finanzieller Aufwand steckte dahinter. Alle diese Dinge waren Neuland für mich.

Und da meine Rennpartnerin und ich noch nie gemeinsam ein Training oder Rennen bestritten hatten, war ich sehr unsicher, ob und wie wir harmonieren würden. Aber Daniela arbeitete viel mit mir, wie ich mit allerlei möglichen Rennsituationen umgehen kann. Sogar als ich nur 14 Tage vor Rennstart von einem Hund gebissen wurde, und damit das ganze Rennen samt Organisation auf der Kippe stand, betreute sie mich und schaffte, mich wieder zuversichtlich zu stimmen.

Es war ein hartes Rennen, das mir physisch alles und psychisch noch mehr abverlangte.

Meine Partnerin Fabienne war merklich stärker als ich. Wir hatten diverse zeitraubende Defekte. Am zweiten Tag ging es mir körperlich sehr schlecht und ich stand kurz vor einem Rennabbruch.

Aber genau auf diese Dinge war ich mental vorbereitet und schaffte es, mich davon nicht herunter ziehen zu lassen und weiterhin mein Bestes zu geben. Das ganze Rennen war wohl das bisher intensivste Erlebnis, das mir gezeigt hat, was man alles erreichen kann, wenn man daran glaubt und sich nicht von Hürden bremsen lässt.

Danach folgte eine längere rennfreie Zeit, denn hier begann die Saison erst Mitte April. Ich arbeitete viel mit Daniela daran, wo ich gerade stehe, wohin ich möchte und was ich schon alles geschafft habe. Meine ersten Rennen begannen etwas holprig. Zum Ersten bin ich gar nicht angereist, das Zweite habe ich nach der halben Renndauer abgebrochen. Ich hatte Probleme, meine Leistung abzurufen und war dadurch auch wenig motiviert – von Wettkampfbiss ganz zu schweigen.

Ich wusste aber, dass das Training nicht immer „Ponyhof“ ist und versuchte weiter nach Plan zu arbeiten. Kurz darauf ging die Formkurve und damit auch meine Motivation nach oben.

Und so konnte ich im Münchner Olympiapark auch schon meinen ersten Sieg holen.

Es hatte alles gepasst: die Beine waren gut, der Kopf frei und zum Leiden bereit und die Cross Country Strecke machte mir Spaß.

Das traditionelle Rennen beim Bikefestival in Riva zeigte mir, was ich noch weiter verbessern konnte: Bergauf lief der Kopf ganz gut, die Beine nicht ganz so. Bergab war beides in Hochform.

Am Wochenende danach sollte ich auf der Langdistanz in Singen/Hegau starten. Zugleich sollte es Streckenbesichtigung und sozusagen Generalprobe für die Marathon WM 2017 sein.

Ich fühlte mich jedoch gar nicht wohl mit dem Gedanken an die Strecke bzw. vor allem an die Länge der Strecke und entschied mich nach einem Gespräch mit Daniela, auf einer kürzeren Distanz zu starten und dafür „All out“ zu fahren. Also Vollgas von Start weg und sehen, ob und wann ich einbreche. Der Plan ging auf und dank etwas Renntaktik konnte ich das Rennen gewinnen. Ich fuhr mit einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen und einem Pokal nach Hause – genau das, was Daniela und ich mit dem Streckenwechsel bezwecken wollten.

Wenige Tage später flog ich nach Belgien zu einem 3 tägigen Etappenrennen, das als Training geplant war. Die ersten beiden Tage liefen gut und auch der Kopf tat seine Arbeit. Am dritten Tag war ich schon sehr müde und die 100 km mit 3100 hm versprachen ein langer Tag zu werden.

IMG_20160518_230458Ich hangelte mich, wie mit Daniela längst geübt, von Verpflegungsstelle zu Verpflegungsstelle und versuchte mir, das Rennen in kleinere Abschnitte einzuteilen, denn 6 Stunden im Sattel bei unter 10 Grad waren eine harte Nuss.

 

Letztlich bin ich gut und heil im Ziel angekommen und habe an diesem Wochenende 15 Stunden Renntraining absolviert. Die folgenden Tage war ich auch entsprechend müde und angeschlagen.

Und so fuhr ich am Wochenende darauf einen Marathon über lediglich 23 km.

Eigentlich wollte ich es ganz ruhig angehen lassen, eben wegen meines noch müden Körpers. Da sich meine Teamkollegin Tina kurzfristig auch für dieses Rennen entschieden hatte, konnte ich sie wohl oder übel nicht einfach so ziehen lassen, also nichts mit Easy Going. Durch die kurze Renndistanz und den wenig fahrtechnischen Anspruch, war das Rennen extrem schnell und ich musste an jeder Kuppe mehr kämpfen, um das Hinterrad von Tina nicht zu verlieren. Ein wahres Streitgespräch entfaltete sich in meinem Kopf: „Ach komm, mach locker. Du bist letzte Woche Etappenrennen gefahren, es ist ok, wenn du Tina jetzt fahren lässt“ vs. „Komm, auf geht’s, beiß die Zähne zusammen! Du kommst wieder an Tina ran. Los, gib Gas“. Mein Antreiber hat ein klein wenig überwogen und wir sind nur wenige Kilometer vor dem Ziel auf die führende Dame aufgefahren.

Ich kannte die Strecke und wusste, dass ich an der letzten Kuppe nochmal richtig leiden würde, wenn die beiden antreten sollten. Sie fuhren jedoch im gleichmäßigen Tempo weiter. Was jedoch bedeutete, dass wir Drei auf der nun folgenden Zieleinfahrt um den Sieg sprinten würden.

Ich konnte als erste in den Zielbereich einfahren und trat an, was die Beine noch her gaben ohne nach hinten zu schauen. Und es hat hauchdünn für mich gereicht. Ich lag minutenlang um Luft ringend am Boden, aber zufrieden, wirklich alles gegeben und damit auch noch einen Sieg geholt zu haben.

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Nach diesen anstrengenden Wochen ist es Zeit für mich für etwas Ruhe. Ich werde die vergangenen Wochen aufarbeiten und die kommenden vorbereiten.

Als nächstes großes Ziel werden Daniela und ich nun die Marathon WM in Laissac in Frankreich vorbereiten.
Keep on riding. And never forget to smile.

Fotoquellen: www.mountainbike.be und www.sportfotos.lu 

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