Laufen trotz Asthma

2009 erhielt ich nach einer schwereren Erkrankung die Diagnose, dass ich bronchiales Asthma habe, das heißt, das Ausatmen fällt mir schwerer als anderen. Wer mich in einem Wettkampf mal sieht, hört das auch beim Ausatmen. Vermutlich wurde das Asthma durch die Krankheit ausgelöst, aber die Trichterbrust, so sagte man mir, würde das Asthmarisiko ohnehin erhöhen. Asthma, Trichterbrust, wie bitte? Ich wusste erstmal gar nichts dazu. Habe mit dem Lungenarzt sogar diskutiert, dass ich keine von den Sportlern bin, die sich freuen, wenn sie ein Asthmaspray nutzen dürfen. Ich weigerte mich also ein Spray zu nehmen.

Dieser Lungenarzt (lat. Pneumologe), der jetzt leider schon in Rente ist, war toll. Er verstand meine Zweifel und zwang mich zu nichts, stattdessen lud er mich in eine sechsstündige Asthmaschulung in seine Praxis ein. Dort erfuhr ich – zusammen mit anderen Asthmatikern, dass eine Trichterbrust eine Veränderung des Brustkorbs ist, bei der das Brustbein und die daran ansetzenden Rippenknorpel nach innen versetzt sind. Diese Veränderung des Brustkorbs tritt bei Männern dreimal häufiger auf als bei Frauen. Mögliche Folgen (je nach Tiefe der Trichterbrust) sind eine verminderte Leistungsfähigkeit bei körperlicher Anstrengung. Hierfür gibt es mehrere mögliche Gründe:

  • Herz: Je nach Ausprägung der Trichterbrust hat das dahinter liegende Herz weniger Platz. Da ich ein sehr starkes Herz habe, bin ich glücklicherweise nicht davon betroffen.
  • Lunge: Häufig wird bei Patienten mit Trichterbrust in der Lungenfunktionsprüfung ein vermindertes Lungenvolumen gemessen, da die Lunge durch den engen Brustkorb nicht so viel Platz hat. Das ist bei mir auch der Fall. Meist sind die Lungenreserven dennoch groß genug, um Sport zu treiben. Bei starker Belastung kann die maximale Leistungsgrenze allerdings herabgesetzt sein. Ich spüre das vor allem beim sehr schnellen Laufen und bei den Atempyramiden im Schwimmtraining. Beim Radfahren macht mir mein vermindertes Lungenvolumen am wenigsten aus. Bei Patienten mit Trichterbrust gibt es eine vermehrte Neigung zu Skoliose, pulmonalen Infekten und Asthma. Da habe ich wohl kräftig hier geschrien. 😉
  • Seele: natürlich werden viele von uns auf den „anders aussehenden“ Knochenbau angesprochen, das kann das Selbstwertgefühl ganz schön schwächen und manche entwickeln große Scham, was mental auch zu einer verminderten Leistungsfähigkeit führt.

Doch hier die gute Nachricht für alle, die das auch haben: nicht die Schultern hängen lassen, denn wir sind in renommierter Gesellschaft: sogar der derzeit erfolgreichste Triathlet Deutschlands, Jan Frodeno hat eine Trichterbrust! Also kann das ja wohl kein Hindernis sein. 😉 Wir brauchen aber vielleicht etwas länger bis sich unser Körper adaptiert hat!

Und damit sind wir beim Thema Asthma bronchiale. Da habe ich erlebt, dass es große körperliche Anpassungsprozesse geben kann.

Asthma bronchiale ist vor allem eines: stark schwankend, es gibt „gute“ Atemtage und Tage an denen es schwerer ist zu atmen. Es ist eine chronische Erkrankung, die bei mir auch sensibel z.B. auf Stress, Kälte, Hitze in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit (wie auf Hawaii) und auf das „Open Window“ nach dem Training reagiert. Wenn ich mir durch eine Erkältung einen Husten zuziehe, dann wird die Entzündung in den Bronchien wieder stärker und ich huste dann einige Wochen deutlich mehr bis  die Verschleimung der Bronchialschleimhaut wieder abgeschwollen ist. Die Muskulatur der Atemwege ist dann sehr verkrampft, so dass Husten, manchmal schwereres Atmen und Atemnot auftreten.

Viele denken, oje als Asthmatiker da muss man sich schonen und ausruhen, darf sich nie anstrengen. Quatsch! Inzwischen weiß man, dass Ausdauertraining den Gesundheitszustand eines Asthmatikers verbessert! Asthma bronchiale ist kein Hindernis, sondern ein guter Grund für Bewegung!

0476_35587In der Asthma-Schulung habe ich kapiert: ich hatte die schlechtesten Werte von allen. Mir wurde klar: Nur, wenn ich eigenverantwortlich mit meinem Asthma umgehe, es einschätzen und rechtzeitig reagieren kann, habe ich die Chance, dass es mich möglichst wenig belastet. Ein Verzicht auf Medikamente, so wurde dort klar, würde zu einer enormen Verschlechterung führen und schließlich dazu, dass ich in einigen Jahren keinen Sport mehr machen könnte. Also verbesserte ich mein Wissen über Asthma bronchiale und ich bin im Asthma-Programm der Krankenkasse.

Ich beriet mich außerdem mit dem Pneumologen über mögliche Sprays und hatte dabei die NADA App zur Hand. Mir war wichtig, dass ich nichts Unerlaubtes einnehme, sonst könnte ich mich über meine Erfolge nicht freuen.

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In der Schulung erhielt ich einen Peak-Flow-Meter, ein Gerät in das Du reinpustest (ähnlich wie beim Alkoholtest bei der Polizei) und dann sehen kannst, wie gerade Deine Werte beim Ausatmen sind (l/min). Damit konnte ich eine Verschlechterung sofort erkennen, ziemlich schnell brauchte ich das Ding nicht mehr, weil ich ein Gefühl dafür bekam. So fand ich mit meinem Arzt eine gute Dosierung. Die nächste Lungenfunktion zeigte bereits eine Verbesserung der Werte.

Bei Erkältungen warte ich nicht, sondern gehe sofort zum Doc, sonst kämpfe ich wieder ewig mit der Verschleimung. Doch die für mich beste Methode war die einer HNO-Ärztin. Ich bin bei der Techniker Krankenkasse (TK). Hier kann man sich Ärzte nennen lassen, die auf Naturheilkunde spezialisiert sind. Eine dieser Ärztinnen half mir mittels einer homöopathischen Anamnese und Behandlung, das Thema Asthma mehr in den Griff zu bekommen. Ich kann meine Medikamente immer weiter reduzieren und muss mich nur noch selten bei ihr blicken lassen. Sie ist von den Fortschritten genauso begeistert wie ich.

Ganz weg ist das Asthma längst nicht, wenn ich fröstle oder mir Sorgen mache, kommt der Husten wieder, manchmal sagt das Asthma auch morgens gleich beim Aufwachen: „Kuckuck, erinnerst du dich an mich?“ – Aber es wird immer weniger Husten und das zeigt mir: ich bin auf dem richtigen Weg. Laufen und Asthma schließt sich nicht aus, es ist in Verbindung mit einer guten ärztlichen Behandlung und viel eigenem Know-how immer mehr zur Nebensächlichkeit in meinem Leben geworden und manchmal ist es auch eine Warnung, dass ich ausreichend Rücksicht auf meinen sensiblen Körper nehme. Denn nur dann ist mein Körper richtig leistungsfähig. Ich habe mich trotz Asthma für die IRONMAN World Championship auf Hawaii und für die 70.3 WM qualifiziert. Außerdem war ich im Jahr 2013 Bayerische Meisterin meiner Altersklasse über die Mitteldistanz (Triathlon Chiemsee). Vor einer Woche wurde ich Deutsche Vizemeisterin meiner Altersklasse (Challenge Heilbronn). Laufen ist zwar noch meine schwächste Disziplin, aber das hält mich nicht auf. 😉

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Eurem Asthma bronchiale und/oder Trichterbrust?

Ganz liebe Grüße

Daniela

#freiwasser #laufentrotzasthma #lifeisgood #changehappens

Quellen:

Mehr Infos zur Trichterbrust:

http://www.kliniken-koeln.de/upload/WEB_Trichterbrust_4706.pdf

https://www.uniklinik-freiburg.de/?id=4407

 

Training, um die muskuläre Dysbalancen durch eine Trichterbrust zu vermeiden:

http://www.menshealth.de/artikel/training-fuer-trichterbrust.20633.html

 

Mehr Infos zum Asthma bronchiale:

http://www.runnersworld.de/gesundheit/laufen-mit-asthma-sicher-und-gesund.113663.htm

http://www.joggen-online.de/gesundheit/krankheiten/asthma.html

8 Antworten auf „Laufen trotz Asthma“

  1. Hi Daniela,
    Ich hab seit dem 13. Lebensjahr Asthma, damals noch Anstrengungsasthma. Also immer vorm Sport einen Hub vom Medikament, dann ging’s gut. Schlau wie man später mal ist hab ich das Rauchen begonnen und mit der Dummheit nach 10 Jahren aufgehört (mit 26). Hatte noch keine Auswirkungen! Mit 34 (warum auch immer) wieder angefangen damit und nach einem Jahr hatte sich mein Zustand erheblich verschlechtert! Bis ich mit 37 endlich wieder aufgehört hatte brauchte ich schließlich ne Dauermedikation, morgens 2 Hub Spray, abends 2 Hub und eine Tablette. Die Symptome sind seither nahezu bei null. Das Jahr darauf begann ich mit dem Triathlon. (Vorher 30 Jahre Fußball, teilweise höherklassig) Nach ein paar Monaten verbesserte sich das Asthma wiederum. Ich bin mit der Medikation etwas runtergefahren, was keine negativen Auswirkungen hat. Wenn ich allerdings versuche noch weiter zu reduzieren verschlechtert sich das ganze nach ca. 4 Tagen. Besserung stellt sich dann nach 2 Tagen normaler Dosis ein. Ich bin weitgehend beschwerdefrei, kein Heuschnupfen, Allergien, etc. Die einzigen Einschränkungen sind im Spitzenbereich beim Schwimmen und Laufen. Wie äußert sich das bei Dir? Die Muskeln könnten noch, aber die Lunge schaffts nicht mehr! Hast du Tipps für ne andere Therapie?
    Sportliche Grüße
    Peter

  2. Hallo Peter, ja, ich habe meine Dosis auch immer weiter runtergefahren – in Absprache mit dem Arzt. Und ja, es ist tatsächlich auch bei mir bei intensiven Läufen ein Limit da, ich arbeite einigermaßen geduldig daran es weiter hinauszuschieben. Auch da ist die Asthma-Tagesform ein Mitspieler. Immer häufiger sind aber nun die „Beine“ beim Laufen (Bodenkontaktzeiten) ein Limit, da freue ich mich dann richtig.

    Was ich wirklich sehr empfehlen kann, ist der Naturheilkundliche Ansatz wie oben beschrieben: mit Homöopathie habe ich die größten Fortschritte bislang machen könne. Hilft das weiter? LG Daniela

  3. PS: ich nehme nur Sprays. Brauche aber immer weniger davon, keine Tabletten. Vorsicht viele Tabletten sind cortisonhaltig und stehen auf der Dopingliste. Ich bin von der Homöopathie überzeugt weil sie den größten Fortschritt bei mir gebracht hat. Voraussetzung ist, dass der Arzt eine ordentliche Anamnese macht, das dauert ca. 1 Stunde. Auch meine Ernährung ist sehr bewusst: wenig Milch, wenig Weizen, wenig Zucker. Da diese Lebensmittel entzündungsverstärkend wirken können.

    1. Hi Daniela,
      Könntest du mir nen Heilpraktiker empfehlen? Ich wohne zwischen Roth und Hilpoltstein und würde auch msl nen Weg auf mich nehmen! Die Tabletten werd ich versuchen weiter zu reduzieren denn die stehen tatsächlich auf der Liste! Deswegen auch kein Start ohne Attest. Mein Lungenfacharzt hilft mir da ziemlich wenig weiter, der kommentiert nur dass ich mich damit abfinden soll, schließlich hätte ich keine Probleme wenn ich nen 10er in 40min laufen kann. Sehe ich anders, weil ich die gleiche Leistung gerne ohne diese Medikamente bringen will! Und wenn der Ansatz homöopathisch ist wäre mir das noch lieber. Da ich als selbstständiger Schreiner genug Staub und sonstiges abkriege ist mir alles außer Chemie nur recht! :-)) Freu mich über jeden Tipp! Ernährungstechnisch habe ich zum Glück keine Probleme, das hab ich schon testen lassen! Und jetzt viel Spaß in Saalbach:-)
      Sportliche Grüße
      Peter

    2. Lieber Peter, da schicke ich dir gleich mal die Telefonnummer der HNO-Ärztin, sie ist keine Heilpraktikerin, sondern spezialisiert auf Naturheilkunde und macht eben Anamnese zur Homöopathie. Ich kenne das Problem mit dem Staub – ich bin früher als Angestellte immer durch eine industrielle Produktionshalle gelaufen- 2mal täglich, in der Zeit war das Asthma sehr stark.

  4. Hallo Daniela. Danke für diesen Bericht. Ich habe auch Asthma und auch eine Trichterbrust. Als Kind wurde ich deswegen geschont oder im Sport auch ausgeschlossen. Jetzt mit ü40 nervt mich das und ich möchte endlich eine Ausdauer antrainieren. Aber das ist mit einer Sperre im Kopf nicht so leicht. Hadt du evt einen Buchtipp zum Thema Mentaltraining im Sport?

    1. Liebe Corina. Ich freue mich über dein Feedback! Wenn du noch zwei, drei Monate warten kannst: da veröffentliche ich mein Fachbuch zum Thema Mentale Stärke. Ich kündige es auf diesem Blog an. Wenn du magst, dann abonniere den Blog, dann verpasst du es nicht. Bis dahin kannst du auch gerne in meinen Publikationen unter “über mich” stöbern. Liebe Grüße Daniela

    2. Liebe Corina, am 15.02.2018 kommt das Trainer-Fachmagazin Leistungslust mit dem Spezial Ausdauer (Ausgabe 01/2018) in die gut sortierten Läden. Hier gebe ich viele Tipps zu Mentaltechniken. Herzliche Grüße
      Daniela

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