Interview 4winner mit Alexa Hueni: Sportlich und beruflich erfolgreich

Alexa B. Hueni gewinnt gerne.

Und sie begann früh damit. Sie belegte bereits als Junioren-Leistungssportlerin beim Rudern den 3. Platz bei der Deutsche Juniorenmeisterschaft im Einer JF 1x A. Sie wurde Erste bei der Zillertal Bike Challenge „Queen of the Mountain“ 2012. Und erreichte im Jahr 2014 als Enduro Novizin (!) auf Anhieb den fünften Platz der European Enduro Series Gesamtwertung. [Weitere Erfolge].

Aus einer Unternehmerfamilie stammend, hatte Alexa den Plan eines Tages ihrem Vater in der Geschäftsführung nachzufolgen. Doch bevor sie ihr Weg ins eigene Unternehmen führen sollte, wollte sie unbedingt externe Berufserfahrung sammeln, um neue, frische Perspektiven kennen zulernen und um sich selbst zu beweisen, dass ihr auch in einem anderen Unternehmen eine vorzeigbare Karriere hätte gelingen können. Als ich ihr am Montag, dem 16. November im Stemmerhof gegenüber saß, strahlte sie von einem Ohr zum anderen. Mit ihr über die Fragen zu sprechen, war keine harte Arbeit, die Zeit verflog! Diese Frau hat wirklich ein Erfolgsrezept! Sie ist mental sehr stark. Nach 3 Stunden verabschiedeten wir uns voneinander. Was ich notiert habe, ist nur ein kleiner Ausschnitt des Gesprächs. Alexa liebt das Wort „unglaublich“, ihr Lebenslauf ist es auch.

Alexa MTB

 

4 Fragen und 4 Antworten:

Hast Du ein Erfolgsrezept für Sport und Job?

Alexa: Ich habe für alles, was ich mache, eine riesengroße Leidenschaft. Klar, manchmal muss ich sie auch erst finden. Aber ich habe eine unglaublich positive Einstellung gegenüber allem.

Wie findest Du denn die Leidenschaft, wenn sie nicht gleich da ist?

Alexa: Ich schaue mir an: was kann das Besondere daran sein? Was bringt mir diese Aufgabe? Was genau sind die guten Aspekte an dieser Aufgabe? Wo kann ich mich selber „challengen“? Von Viktor Frankl (ein österreichischer Neurologe und Psychiater) stammt der Satz: „der Mensch ist ein Wesen auf der Suche nach Sinn“. Ich will also den Dingen Sinn geben, wissen, wozu ich etwas mache, um meine Zeit nicht zu verschwenden. Es muss natürlich in Dein Leistungsportfolio passen.

In der Kantine gibt es eine Asiatin, die immer in ihrer Sprache spricht, die keiner versteht, die das schmutzige Geschirr aber mit so viel Einsatz annimmt, herumwirbelt und aufräumt, dass alle bei ihr das Geschirr abgeben wollen. So ist die Schlange bei ihr immer am längsten, weil es bei ihr einfach Spaß macht, ihre Kollegen ziehen nur eine gelangweilte Schnute.

In meinem Job ist das auch so: ich muss als Qualitätsmanager ja die Prozesse beschreiben, das könnte an sich ziemlich öde sein. Meine Didaktik ist es, die Kollegen so zu beraten, dass sie selbst gute Ideen haben, wie sie die Prozesse optimieren können. Für mich ist Qualitätsmanager damit ein Kommunikationsjob, indem ich den Leuten erkläre, dass ich sie nicht gängeln will, sondern dass es richtig Sinn macht, ihre Prozesse zu verfeinern. Sonst muss man jedem neuen Praktikanten, also alle 6 Monate, das gleiche erklären.

Klar habe ich auch mal Durststrecken. Das ist beim Sport ja auch so, dass es manchmal bei schlechtem Wetter nicht so leicht fällt, Intervalle zu trainieren. Aber wenn ich weiß, wozu ich es mache, dann schaffe ich es. Und mir macht das, was ich gerade mache, in der Regel immer am meisten Spaß. Also das gilt jetzt vor allem beim Sport. Wenn ich Mountainbike, finde ich das gerade richtig toll, wenn ich langlaufe, bin ich begeistert, sitze ich auf dem Rennrad genieße ich es.

ALEXA HÜNI
Privatfoto

Worin siehst Du die größten Unterschiede zwischen Sport und Job?

Alexa: Sport ist für mich mehr Spaß behaftet. Wenn ich mit meiner Freundin einen coolen Flow-Trail gefahren bin, dann jubeln wir danach manchmal vor Freude. Beim Job schreie ich jetzt nicht so euphorisch. Meine Theorie ist: das Kindhafte kann man im Beruf nicht so ausleben. Da ist man ja doch eher gewissen Konventionen unterworfen. Damit meine ich, dass man sich in ein System integrieren muss. Sport gibt mir die einzigartige Möglichkeit wild zu sein, mehr Risiko einzugehen. Ich glaube, das ist der Trick: Sport als Balance zu sehen. Ich bin ein Kindskopf, unglaublich albern, aber eben nur da, wo ich es sein kann.

 

Wie siehst Du die Zukunft des Joballtags für Dich und andere? (New Work Ideen; mobiles Arbeiten; Bewegung & Essen etc.)

Alexa: Meine Eltern hatten während meiner Zeit als Profi immer Angst, dass ich später nicht so viel Energie in die Arbeit investieren kann wie in den Sport. Aber ich habe meinen Eltern immer versprochen: irgendwann werde ich im Job die gleiche Leistung bringen. Als ich dann meinen Master in Entrepreneurship abgeschlossen hatte, schrieb ich Bewerbungen, doch keiner wollte mich.

Schließlich hatte ich Glück, weil ich schon Projektmanagement Erfahrung hatte, lud mich BMW ein. So dachte ich zumindest. Im Bewerbungsgespräch wurde mir mein künftiger Job als Qualitätsmanager beschrieben. Das meiste habe ich, offen gesagt, nicht verstanden. Aber ich wollte den Job so unbedingt haben. Also habe ich gesagt, klar, mache ich. Ich war überzeugt, dass ich das schon irgendwie schaffen kann.

Erst als mir der Vertrag zugeschickt wurde, habe ich kapiert, dass mein Arbeitgeber in Wirklichkeit eine Zeitarbeit-Firma sein würde. Die Vertragsdauer war von Juni bis 31. Dezember vorgesehen. Den Vertrag habe ich trotzdem unterschrieben.

Nach drei Monaten hatte ich bereits zwei Stellenangebote für unbefristete Verträge von BMW. Viele andere Firmen hatten mich aber vorneweg abgelehnt. Das heißt für mich: viele Recruiter sind so fokussiert auf gute Noten und passgenaue Praktika, dass sie gar nicht merken, dass manch einer vielleicht nicht den besten Lebenslauf hat, aber dafür sehr viel Leidenschaft für den Job mitbringt! Daher denke ich, es ist besser „the right people on the bus“ (vgl. Jim Collins, „Good to Great“) zu haben als ausschließlich Augenmerk auf Zeugnisse und CV zu legen.

Mein Job ist erfüllend, solange bei mir das Körperliche nicht zu kurz kommt. Meine Eltern sind noch immer ungläubig und erstaunt. Ich habe mich geändert und denke, wenn man kein Tennis- oder Fußballtalent ist, gehört das wohl zum Erwachsenwerden dazu. Ich will mir ja auch eine schöne Einrichtung für meine Wohnung leisten können.

Ich glaube auch, Face-to-Face Arbeiten ist wichtig. Daher: dynamisches Arbeiten ja, mobiler eher nein. Man wird schon zeitunabhängiger arbeiten, aber so, dass die Teams sich noch sehen. Die totale Vermischung von Freizeit und Beruf finde ich auch blöd: also, wenn man, weil es so „schön“ ist, bis 21 Uhr im Büro mit seinen „Buddies“ abhängt.

Natürlich finde ich es klasse, wenn im Sinne von „Employer Branding“ Wert auf Gesundheit gelegt wird. Viele Unternehmen haben ja schon eine Kantine mit frischen, regionalen Produkten. Die Erkenntnis, dass jemand leistungsfähiger ist, der nicht gerade einen Schweinebraten im Bauch hat, setzt sich ja auch langsam durch.

Liebe Alexa, ganz herzlichen Dank für die Einblicke in Dein Erfolgsrezept – da stecken viele mentale Techniken drin! Alles Gute für Deinen nächsten großen Schritt: mit Anfang 30 als stellvertretende Geschäftsführerin ins Familienunternehmen einzutreten.

 

Anhang:

Kurz Vita von Alexa Hüni – www.alexahueni.de

Beruflich

  • Abitur
  • Bachelor Communication and Cultural Management an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen
  • zwei Jahre lang als Projektreferentin für die EUROBIKE Messe tätig
  • Master of Science in Entrepreneurship an der Universität Liechtenstein 2010
  • Juni 2011 als Zeitarbeitskraft – bei BMW in München als Qualitätsmanager im Bereich Entwicklung Karosserie ins Berufsleben gestartet
  • 2013 wechselte sie schließlich in die BMW Welt, wo sie zum einen wieder als Qualitätsmanager das Integrierte Managementsystem (Qualität, Umwelt und Arbeitssicherheit) verantwortet und weiterentwickelt und zum anderen zusammen mit ihren Kollegen in einer Art Inhouse Consulting daran arbeitet die internen Prozesse zu optimieren und die verschiedensten Projekte umzusetzen.
  • Zum Jahresende 2015 wird Alexa BMW verlassen, um ihrem Vater peu à peu in die Geschäftsführung des Familienunternehmens am Bodensee nachzufolgen. [zurück zum Interview]

 

Ihre größten sportliche Erfolge: 

Mountainbike Enduro seit 2014

2015

  • 3. Platz Nordkette Quartett Innsbruck (AUT)
  • 4. Platz European Enduro Series, Reschenpass (ITA/AUT/SUI)
  • 7. Platz Specialized-SRAM-Enduro-Series Gesamtwertung

2014

  • 3. Platz European Enduro Series, Kronplatz (ITA)
  • 3. Platz Trail Trophy Latsch (ITA)
  • 5. Platz European Enduro Series #6 Treuchtlingen (GER)
  • 5. Platz European Enduro Series Gesamtwertung
  • 7. Platz Deutsche Enduro Meisterschaft

Mountainbike Cross Country und Marathon 2003 – 2012

  • 1. Platz Zillertal Bike Challenge „Queen of the Mountain“ 2012
  • 3-malige UCI MTB Marathon Weltmeisterschafts-Teilnehmerin (bestes Ergebnis 21.)
  • 5-malige UCI MTB Cross Country World Cup Starterin

Radcross 2010 – 2013

  • Baden-Württembergische Vize-Meisterin 2012
  • Mehrere top 3 Resultate im Radcross Deutschland Cup
  • 6. Platz Deutsche Meisterschaft Radcross 2010

Rudern 1996 – 2002

  • 3. Platz Deutsche Juniorenmeisterschaft im Juniorinnen Einer JF 1x A
  • 4x Baden-Württembergische Meisterin im Juniorinnen Einer JF 1x B und JF 1x A
  • 1x Baden-Württembergische Vize-Meisterin im Juniorinnen Einer JF 1x A
  • Über 60 Siege auf Regatten in Deutschland und der Schweiz im Juniorinnen Einer JF 1x B und JF 1x A

Aktuelle Sportarten:

Mountainbike Enduro und CrossFit. Im Winter auch Ski Alpin und Langlauf. [zurück zum Interview]

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