Bist Du “The best version of you”? Lässig bleiben.

scott-webbWarum ich auf Instagram soviel vom Erholen und so wenig vom Training poste?😜 Weil es wichtig ist – sich neben all der Disziplin – das Nicht-Perfektsein zu erlauben, sonst rattern wir direkt ins Leistungstief😫. Was das genau heißt, beschreibe ich hier.

Habt Ihr mal versucht beim Tempotraining 23×78 im Kopf zu berechnen?

Beim leistungsorientierten Training richtet sich meine Aufmerksamkeit auf die absichtliche Aufrechterhaltung des Tempos bzw. der Qualität. Meine Fähigkeit dabei eine komplizierte Rechnung durchzuführen, ist beeinträchtigt. Das liegt daran, dass zusätzlich zur körperlichen Anstrengung auch eine mentale Anstrengung erforderlich ist, um das Tempo bzw. die Qualität aufrechtzuerhalten. Diese mentale Anstrengung ist unsere Selbstkontrolle.

Selbstkontrolle (Disziplin) und eine starke Denkanstrengung (wie bei einer Rechenaufgabe oder einem intensiven Arbeitstag) schöpfen aus dem gleichen Budget mentaler Arbeitskraft. Wenn ich harte Intervalle trainiere, versuche ich also ausgeruht zu sein und gar nicht erst an etwas anderes zu denken, sonst droht mir das Absinken der Selbstkontrolle und damit eine Verschlechterung der Qualität des Trainings.

Ich kam gestern Nacht von meiner Geschäftsreise zurück. Wer mich heute im Homeoffice beobachten könnte, würde wahrscheinlich denken, dass ich mich gerne ablenken lasse und zu wenig Disziplin/Selbstkontrolle aufbringe, um den vielfältigen Ablenkungen zu widerstehen. Damit meine ich, dass ich heute lieber putze, ausführlich meine Emails checke, Facebook lese, Kuchen esse und online shoppe, statt konzentriert am Stück meine Schreibarbeit zu erledigen.

Kennt Ihr das auch? Und an anderen Tagen, da läuft es wie am Schnürchen, ich arbeite hochkonzentriert über längere Zeiträume und die Zeit verfliegt.

Wenn wir kognitiv ausgelastet sind, dann fällt es jedem von uns schwerer, Versuchungen zu widerstehen, dazu gehören Arbeitsunterbrechungen genauso wie der verlockende Schokoladenkuchen. Übrigens, wenn Ihr mal wieder einem Idioten begegnet, verzeiht ihm nachsichtig: Menschen, die kognitiv stark ausgelastet sind, treffen eher egoistische Entscheidungen, verwenden sexistische Ausdrücke und fällen oberflächliche Urteile. Ja, die Oktoberfest–Geher haben es schon gemerkt: ein paar Drinks haben die gleiche Wirkung und natürlich auch zu wenig Schlaf

Und die Liste lässt sich noch fortsetzen:

Wenn wir uns zu viel Gedanken machen, ob wir eine Aufgabe (gerade) gut erledigen, dann beeinträchtigt das sogar unsere Leistungsfähigkeit, weil unser Kurzzeitgedächtnis von sinnlosen und sorgenvollen Gedanken überflutet wird und dann unser Hirn zu wenig Kapazität hat, sich auf die eigentliche Aufgabe zu konzentrieren.

Ich will mein Blog kurz halten, daher führe ich nicht weiter aus, was noch alles unsere Selbstkontrolle/Disziplin erschöpfen kann, nur so viel: die Liste ist lang!

Glukose hilft laut einer Studie den Erschöpfungseffekt abzumildern. Dafür hättet Ihr keine Studie gebraucht, stimmt’s? Die Lust auf Süßes in stressigen Situationen kennt sicher jeder 😉

Zusammenfassend geht es bei Selbsterschöpfung immer darum, dass wir zuviel Selbstkontrolle aufbringen müssen um zuviele natürliche Neigungen zu unterdrücken. Wenn wir also einen versöhnenden Weg suchen, statt intuitiv auf eine Provokation aggressiv zu reagieren, dann kostet das Selbstkontrolle. Genauso ist das mit der gesunden Ernährung, wenn uns doch der Weizenmuffin gerade so lecker anlacht. Irgendwann- spätestens am Ende eines langen Arbeitstags fällt es immer schwerer das „Richtige“ zu tun.

Wer also wie Vroni manchmal einfach keine Lust mehr hat auf „funktionieren“ und endlich mal wieder das tut auf das er (zu) lange ungern verzichtet hat, der ist auf dem besten Weg der Erholung. Wer gelernt hat auf seinen Körper zu hören, der kann maßvoll genießen ohne Null-Diät und null-Spaß-am-Leben.

A photo by Maciej Serafinowicz. unsplash.com/photos/BC49M6wl--8

Nur Superfood essen, ambitioniertes Training, ein fordernder Job, die sauberste Wohnung und der gepflegteste Garten und niemals ein Funken von Unvernunft? Das haltet ihr nicht lange durch. Wer immer perfekt sein will, ist auf der Überholspur Richtung Burn-out unterwegs. Ich pflege meine kleinen Unperfektheiten, da kommt dann hin und wieder die Chaotin voll durch: ich kann zum Beispiel echt schlecht Stadtpläne lesen (gilt sogar für Google Maps) und ich liebe Kuchen.

Meine Freundin ist gerade umgezogen: auf ihrem neuen Spüllappen steht: Dreck, den man nicht sieht, ist sauber. Ihre Wohnung ist absolut ordentlich und doch hat es mir gefallen, denn „the best version of you“ bedeutet manchmal eben auch, (nach-)lässiger zu sein. Langfristig ist das jedenfalls die gesündere Variante.

 

Bildquellen:

Bild 1: Scott Webb, www.unsplash.com

Bild 2: Maciej Serafinowicz, www.unsplash.com

Literaturquellen: 

Daniel Kahneman: Schnelles Denken, Langsames Denken 2012, pantheon-verlag

Matthew Gailliot et al., „Self-Control Relies on Glucose as a Limited Energy Source: Willpower is more than a Metaphor“, Journal of Personality and Social Psychology 92 (2007), S. 325-336

 

 

 

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