bike Transalp – Die Herausforderung sind nicht nur die Berge selbst

(c) Mario Peters

Warum kommt mein Bericht zur Transalp erst jetzt? – Ehrlich gesagt, ich habe erstmal Abstand gebraucht. Aber dazu später mehr.
Meine gute Freundin Naima und ich hatten schon im Winter beschlossen, dass wir gemeinsam bei der Transalp, ein 7-tägiges Etappenrennen über die Alpen im 2er Team, kämpfen und leiden wollen. Mein früherer Teamchef Rainer Gerster und fi’zi:k fanden das auch eine gute Idee und ermöglichten uns den Start. Daniela riet uns, vorab unsere Ziele zu klären. Das taten wir auf einer gemeinsamen MTB-Runde eine Woche zuvor: Top5 gesamt und wenn es gut läuft, mal ein Tagespodium. Und dann war es soweit, wir standen in Imst am Start zur ersten Etappe.

Ich hatte an diesem Tag etwas Mühe in Tritt zu kommen, die Anreise am Tag zuvor war stressig und anstrengend. Die 90 km mit 3000 hm und für unseren Geschmack viel zu wenig Trails waren schon ein Brett. Wir finishten auf einem soliden 4. Platz.
Der zweite Tag von Nauders nach Suol war für mich ungewiss. Ich hatte gefühlt die ganze Nacht im Bad verbracht und die aufgenommene Energie wohl kaum behalten. Letztlich ging es dafür aber dann doch ganz ok. Ein paar mehr Trails als am Vortag, aber auch wieder Platz 4.
Neuer Tag, neues Glück und 30% Trailanteil: von Scuol ging es gleich einen langen Anstieg hoch. Von da an ging es leicht bergig auf über 2000m immer dahin und wir konnten immer wieder die Damenteams vor uns erahnen. An einem steilen kurzen Anstieg überholten wir eines und konnten das nächste schon sehen. Bei der folgenden langen und supercoolen Trailabfahrt überholten wir auch diese. Der Trail war Wahnsinn und wir liesen es laufen. Und plötzlich überholten wir auch noch das pinke Leader Jersey und waren damit das erste Damenteam! Jetzt hieß es cool und fokussiert zu bleiben, wir hatten noch 30km mit einigen Höhenmeter und Trails vor uns. Wir hatten ein perfektes Teamwork, ein Freund überraschte uns kurz vor Schluss noch mit frischen Flaschen, kurzem Geleitschutz und nochmal extra Motivation. Nach vielen kurzen, aber fiesen Rampen konnten wir endlich in die finale Abfahrt nach Livigno abbiegen und standen tatsächlich als erstes Damenteam im Ziel. Ich konnte es gar nicht fassen und war so unglaublich happy!
Weiter nach Bormio. Innerlich hatte ich nach dem gestrigen Tag eine gesteigerte Erwartungshaltung und Leistungsdruck. Profilmäßig hätte mir diese Etappe liegen müssen. HättehätteFahrradkette und so. Der letzte Anstieg über 1400 hm auf den Umbrailpass und weiter auf einem Trail bis zum Berggrat auf 2800 m in Kombination mit zu hohen Temperaturen zog mir alle Stecker. Ohne Naimas Hilfe wäre ich nicht dort oben angekommen. Wieder Platz 4 und maßlose Enttäuschung.
Leider wurde es auch auf Etappe 5 nicht besser. Ich kam die steilen Anstiege nicht mehr hoch. Naima unterstütze mich, so gut sie konnte. Der lange Anstieg auf den Gaviapass arbeitete mich nicht nur physisch komplett auf. Wäre ich für mich alleine gewesen, hätte ich keine Kraft mehr zum Weiterfahren gehabt. Ich versuchte mich, wie bei Daniela gelernt, auf schöne Dinge zu achten und zu freuen. Der Downhill vom Pass war tatsächlich etwas zum freuen und hielt mich etwas bei Laune. Auf Etappe 6 war es das gleiche Spiel. Ich hatte während einem Schiebestück noch ein (für ihn) unangenehmes Zusammentreffen mit einem lauthals schimpfenden Italiener, was mich nochmals mehr aus dem Konzept brachte. Ich dachte an die liebe Nachricht, die mir Daniela am Vorabend schickte und mich damit wieder neu motivierte. Naima und ich verloren uns dann auch noch bei Feedzone 2, als ich anderen Teilnehmern einer falschen Abzweigung folgte während Naima meine Flasche füllte und vermeintlich wieder von hinten auf mich auf fuhr. Beide Tage retteten wir zwar den 4. Tagesplatz, das Gesamtpodium war damit aber endgültig außer Reichweite.
Letzter Tag und damit ab zum Gardasee. Im Startblock waren alle Mädels froh, endlich nur noch diesen einen Tag schaffen zu müssen. Dieses „Problem“ relativierte sich aber ganz schnell, als sich mit der Schweigeminute für die Opfer des Münchner Amoklaufs eine tiefe Betroffenheit in Trento breit machte. Wäre ich nicht auf dem Rennen gewesen, wäre ich zum Tatzeitpunkt gar nicht weit entfernt gewesen. Ich versuchte das Gefühl auf den ersten Kilometern beiseite zu schieben. Wider Erwarten kam ich auf dem Anstieg über 1400 hm gut zurecht. Das Wetter hatte sich von Hochsommer zu einem angenehm erfrischenden Regen gewendet, was mir sehr entgegen kam. Der Regen spielte uns auch auf den Trails in die Karten. Wir kamen super auf den sehr glitschigen Trails zurecht und konnten wieder bis auf Platz 2 vorfahren und verfolgten mit nur 2 Minuten Abstand das erste Damenteam. Ganz reichte es nicht mehr, aber ein zweites Tagespodium versöhnte mich etwas für die harten und enttäuschenden letzten drei Tage.

Wir machten uns einen schönen Tag am See, bei der Siegerehrung und Afterrace Party. Am nächsten Tag ging es für mich schon weiter in die Vogesen, um dort für den Bund Deutscher Radfahrer die U17 Kids bei der TFJV 2016 zu betreuen. Ich bin schon auf der Fahrt dorthin recht krank geworden und so konnte ich mich weder körperlich noch mental erholen. Nach diesen zwei anstrengenden Wochen war ich einfach nur unglaublich erschöpft und wollte von allem und allen meine Ruhe. Langsam geht es jetzt auch wieder gesundheitlich bergauf und ich hab wieder Lust auf Radfahren 🙂

Ein großen Dank an meine Sponsoren und Partner fi’zi:k, Qloom Bikewear, Radsporttechnik Müller, IdeniXx, Freiwasser, FahrKunst, Sponser und HesseKafka genauso wie mein „Haus- und Hofreporter“ Werner. Ihr wart unglaublich, wie sehr ihr zu Hause mit uns mitgefiebert habt! Mein Superior Mio Wildschönau XC Team natürlich nicht zu vergessen.
Und mein allergrößte Dank geht natürlich an Naima! Danke für diese ultraharte und schmerzreiche, aber megageile Woche mit dir!

 

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