Anerkennung im Fokus

Was macht man, wenn entweder die Anerkennung ausbleibt oder nur sehr spärlich eintrudelt? Wie geht man damit um? Sind die Gründe für ausbleibende Rückmeldung nur Neid oder fehlendes Interesse an mir als Person?

Sicherlich kennen die meisten manchmal so ein Gefühl von leise empfundener Ungerechtigkeit. Hier hilft ein „Reframing“ der eigenen Sicht. Das heißt, ich schaue mir an, wie man die Reaktionen alternativ zu meiner Sichtweise deuten könnte. Welche Anhaltspunkte sprechen gegen meine Sichtweise? Lege ich zweierlei Maß zwischen mir und den anderen an? Bekommen andere wirklich mehr transparente Wertschätzung der eigenen Leistung? Oder ist es nicht viel mehr eine Vermischung mit vielen Komponenten?

Freundschaftliche Verbundenheit unterstützt zum Beispiel das Klicken des Facebook Like-Buttons. Das heißt, dass nicht zwingend die faktisch beste Leistung die meisten Glückwünsche erhält. Und wer hat transparent im Blick, welche Leistung die Anerkennung mehr verdient? Auch Eigeninteressen spielen natürlich eine Rolle.

Und: Anerkennung setzt auch Wahrnehmung, also Beachtung voraus. Aufmerksamkeit ist aber eine sehr knappe Ressource, täglich werden wir von Informationen überschüttet. Wer sich also für Sport nicht sonderlich interessiert, wird dafür nicht so viel Aufmerksamkeit zeigen oder vergisst es schnell wieder. Und nicht jeder ist immer online, manche kriegen es einfach gar nicht mit oder schützen sich selbst und wollen gerade gar nichts von den Erfolgen und Leistungen der anderen wissen. Und wieviel Anerkennung ist nötig, um sich angemessen wertgeschätzt fühlen zu können? Es gibt so viele mögliche Antworten auf diese Frage, die mit unserem Wert als Mensch gar nichts zu tun haben.

Es ist menschlich, dass wir alle positiv auf soziale Anerkennung reagieren, denn es ist eines unserer grundlegenden Bedürfnisse. Der dabei ausgeschüttete Botenstoff Dopamin löst ein Gefühl von Glück und Stärke aus (vgl. Motivation). Somit ist nach Ansicht des Medizinsoziologen Johannes Siegrist das größte Risiko für ein Burn-out, das Gefühl sich immerzu anzustrengen, ohne Anerkennung dafür zu bekommen. (Quelle). Eine Erziehungsempfehlung lautet deshalb auch, dass wir Kinder nicht nur für ihre erbrachten Leistungen loben sollen, sonst verknüpfen sie ihren Selbstwert ausschließlich mit ihren Leistungen.

Kritisch für unser Wohlbefinden wird es also, wenn unsere Selbstachtung zu niedrig ist und wir diese kompensieren wollen, indem wir stets die Anerkennung von anderen suchen.

Wenn ich in den Augen der anderen (z.B. auf Facebook) wegen irgendeines Erfolgs ein großartiger Held bin, dann erhalte ich viel Bestätigung. Es ist gefährlich, daraus meinen Selbstwert zu definieren, denn diese Phase der Anerkennung wird abebben  (vgl. Über Glück und Leistungsschweine). Den Moment des Glücks genießen zu können, ist durchaus erstrebenswert, aber wenn die Scheinwerfer ausgehen oder allmählich verblassen, sollte in uns keine bedrückende Leere entstehen.

Selbstachtung bedeutet, sich selbst Wertschätzung zu schenken. Selbstachtung ist auch die Voraussetzung für eine gesunde Beziehung und um Anerkennung angemessen wahrzunehmen, also in ihrer Vielseitigkeit und Fülle, nicht nur im Mangel.

Wozu Deinen Selbstwert von Anerkennungs-Bekundungen möglichst vieler abhängig machen? Wenn Du einen teuren Ring geerbt hast und diesen schätzen lassen willst, siehst du doch auch ganz genau hin: wer kann das wirklich wissen?

Foto von Unsplash; Fotograf Joshua Earle
Foto von Unsplash; Fotograf Joshua Earle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiterlesen:

Metaphern von J. Bucay (vgl. Buchtipp)

Melanie J.V. Fennell: Anleitung zur Selbstachtung

http://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/04/psychologie-soziale-anerkennung

 

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