4winner Interview mit Weltrekordlerin Astrid Benöhr. Sie war schneller als die Männer!

20_b1_bearbeitetAstrid Benöhr (Jahrgang 1957) ist Bergisch-Gladbacherin wie Heidi Klum. Und auch attraktiv, schlank und blond. Ansonsten gibt es doch einige Unterschiede:

Astrid ist eine Ausnahmeathletin. Sie hält einen „absoluten Rekord“, das heißt ihre Bestzeit im zehnfachen Ultra-Triathlon ist besser als der Männer-Weltrekord!


Sie hält außerdem Frauen-Weltrekorde im doppelten, dreifachen, vierfachen und fünffachen Ultra-Triathlon. Ich habe sie beim Ironman France kennengelernt, als ich dort nach meinem Studium die Profi-Athleten vor Ort betreute. Später war ich zweimal mit ihr unterwegs, das war einmal bei der Umrundung von Mallorca: sie ist die ganze Strecke am Stück gelaufen, ich saß die meiste Zeit im Begleitfahrzeug und fand es trotzdem anstrengend. Und das andere Mal habe ich sie beim dreifachen Ultra-Triathlon in Kärnten begleitet. Sie ist mental unglaublich stark, das erfordert als Begleitperson manche Anstrengung. Als sie ins Ziel lief, kamen mir – zugegeben auch vor Erleichterung – die Tränen. Damals habe ich mir geschworen, beim nächsten Triathlon will ich selbst über die Ziellinie laufen. Ein Ultra war nie mein Ziel, aber der Rest wurde wahr. Astrid habe ich bis heute als Freundin behalten. Sie ist immer noch sehr bodenständig, sie merkt sich, wenn ich einen Wettkampf hatte und fragt immer nach. – Niemals überheblich, so freute sie sich riesig mit mir als meine Zeit beim Ironman Hawaii beinahe die gleiche wie bei ihrem ersten Rennen auf Hawaii war.

benoehr_neuLiebe Astrid, Du hältst ja auch Vorträge, was ist denn Dein Hauptthema?

Mein Thema ist, wie Körper und Geist in Einklang gebracht werden können. Den Hauptfehler den die meisten Sportler machen, ist das die Energiebilanz nicht stimmt. Die Kunst ist es bei den allerersten Anzeichen sofort die Energiebilanz auszugleichen, also die verbrauchte Energie zu ersetzen. Wenn ich ein Ziel erreichen will, muss ich mir einfach bewusst machen, was wichtig ist um leistungsfähig zu sein. Neulich war ich mit dem Rad unterwegs und traf eine Bekannte. Sie hatte auf dem Rennrad nichts zu trinken dabei und war auch viel zu dick angezogen. Ich habe ihr natürlich ausgeholfen, aber das kann ein folgenreicher Fehler sein, wenn keiner da ist.

Nur wer im Training auf schnell verfügbare Kohlenhydrate und ausreichend Flüssigkeitszufuhr achtet, schützt sein Immunsystem und verkürzt übrigens auch seine Regenerationszeit. Bis zu 90 Minuten nach Trainingsende ist die Energie wieder aufzufüllen- ich mache das mit 2 Teilen Kohlenhydraten und 1 Teil Eiweiß.

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Reaktivität des Immunsystems von der Höhe der zu bewältigenden Belastung abhängt. Je höher der anaerobe Anteil pro Trainingseinheit desto mehr ist das Immunsystem gefordert. In der Immunbiologie spricht man dann vom „Open Window“. Das heißt nach dem intensiven Training ist die Infektanfälligkeit erhöht. Erholung ist das A und O. Denn wenn man immer am Limit trainiert, ist das Immunsystem überfordert.

Der Durchschnittsbürger soll ja seine Kohlenhydratzufuhr eher reduzieren und sich ausgewogener ernähren. Wie ist das bei Dir als Ultra-Athletin?

Für mich geht nichts ohne Kohlenhydrate. Kohlenhydrate machen leistungsfähig, deshalb hat man ja auch so Appetit, wenn man auf eine Prüfung lernt. Ja gut, wenn ich mich 30 Minuten am Tag bewege, brauche ich keine Kohlenhydrate.

„40 Jahre 20 sein“ ist der Titel Deines Buches. Ich finde es sehr unterhaltsam geschrieben, niemals mit dem Zeigefinger, immer mit einem verschmitzten Lächeln. Wie kam es zu dem Buch?

Aufgrund meines Weltrekords über den zehnfachen Ultra-Triathlon war einfach ein öffentliches Interesse da, übrigens auch von sportmedizinischer Seite. Ich war auch häufiger zu Fortbildungen von Ärzten eingeladen. Gleichzeitig ist es mir aber auch ein Anliegen mit dem Buch, den Bogen zu normalen Menschen zu spannen.

Ich schreibe über meinen Werdegang, ich war schließlich auch mal unsportlich. Mit Laufen statt Rauchen fing alles an. Natürlich schreibe ich auch über meine Wettkampferlebnisse. Es ist wie Du schon bemerkt hast kein Ratgeber, sondern eher eine Biografie. Aber ich habe ganz viel sportwissenschaftliches Wissen eingeknüpft. Ich komme ja aus dem medizinischen Bereich, war in der Immunbiologie als PTA (Pharmazeutisch-technische Angestellte) und habe mein medizinisches Wissen für mich genutzt.

Meine Zielgruppen sind daher auch alle, von jung bis alt, sportlich bis unsportlich. Im Schwimmbad habe ich eine Dame getroffen, die hat ihrer Enkelin, die Leistungssport Rudern macht, das Buch geschenkt.

Astrid, Du bist ja ein Profi im Minutenschlaf, weil Du das bei den Ultradistanzen brauchst. Hast Du das geübt?

Ja, im Wesentlichen geht’s da ja um die Konzentration auf die Atmung oder auf die Umgebung. Und auch hier gilt wieder: Schlaf braucht eine ausgeglichene Energiebilanz!

Liebe Astrid, vielen Dank für dieses Interview.

 

Weiterlesen auf:
http://www.astrid-benoehr.de/
http://www.spiegel.de/sport/sonst/triathlon-astrid-benoehr-in-187-stunden-zum-weltrekord-a-29884.html

40 Jahre 20 sein: Forever young durch Ausdauersport

Fotos: Rechte bei Astrid Benöhr

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